(Gastkommentar von Urs Klingenfuss)
Der Traum, die Anden von Argentinien aus auf dem Schienenweg zu überwinden, um den Stillen Ozean zu erreichen, ist über 100 Jahre alt. Um die Machbarkeit des Vorhabens aufzuzeigen, machte sich im Jahre 1921 eine verwegene Gruppe mit drei Ford T und einem Lieferwagen auf den seit Jahrhunderten von Lamatreibern vorgezeichneten “Weg”. Aber es sollte weitere 27 mühevolle Jahre dauern, um das Meisterwerk zu vollenden. Von Anfang an hatte der technische Ehrgeiz des verantwortlichen Ingenieurs darin bestanden, die rund 3200 Meter Höhenunterschied zwischen der Stadt Salta und der Puna-Ebene ohne Zahnradantrieb zu bewältigen. Als die Gleisspitze 1948 die chilenische Grenze in den Anden erreichte, wies die Strecke 1328 Kurven, 44 Brücken und Viadukte sowie 21 Tunnel auf.
Viele Jahrzehnte brachten die mit den Schätzen der Puna-Salare (Borax und Lithium) beladenen Frachtzüge ihre Ladungen nach Campo Quijano/Salta hinunter. Heute führt der nur noch touristisch genutzte “Tren a las nubes” (“Zug in die Wolken”) seine Fahrgäste aus aller Welt von Salta über die rund 220 km lange Bergstrecke zum auf 4187 m ü. M. gelegenen Viaducto La Polvorilla hinauf. Nicht einfach nur eine Zugfahrt durch eine atemberaubende Bergwelt, sondern ein grosses Ereignis für die Mitreisenden sowie die Bewohner an der Strecke …
Bei Sonnenaufgang schlängelt sich der gelb-orange Tren durch die Vororte von Salta Richtung Campo Quijano, wo bereits die ersten Zaungäste den Tren vor einer Dampflok aus vergangenen Tagen erwarten:



Der Tren verlässt die Zivilisation und beginnt seinen Aufstieg in die Puna, wo die ersten bahntechnischen Bauwerke und Besonderheiten befahren werden:


Erstes von zwei sogennanten Zig-Zag (im Zick-Zack wird auf wenigen Kilometern fast 60 Höhenmeter überwunden).



Vom Tren wenig beeindruckte Wegelagerer …


Über weite Strecken verläuft die Bahnstrecke entlang der Transanden-Route RN51, ständige Begleiter sind die beiden Securidad-Fahrzeuge, welche die Bahnübergänge sichern (denn Barrieren gibt es hier keine):





3000 m über Meer sind erreicht, Zeit für eine Stärkung (Mate von unseren argentinischen Reisegefährten oder eine Kleinigkeit im Barwagen):



Und weiter geht die Reise Richtung unseres Tagesziels durch eine immer phantastischere Bergwelt:




San Antonio de los Cobres, 3775 m ü. M., 4300 Einwohner, und die Ankunft des Zuges scheint ein grosses Ereignis zu sein (kein Wunder, locken doch die Geschäfte mit den Zugreisenden):





Wer nichts zu verkaufen hatte, wie zum Beispiel die Kinder, sagte Coplas (eine traditionelle Gedichtform) auf, um so einige Pesos zu verdienen.
Das Tagesziel ist erreicht, der Viaducto La Polvorilla, 63 m hoch und 224 m lang, 1600 t Stahlkonstruktion, 4187 m ü. M. – im Wagon wird getanzt, draussen laufen die Geschäfte auf Hochtouren und die Kameras heiss:





Und wer noch nicht genug hatte, konnte sich das Ganze auf dem Rückweg in umgekehrter Reihenfolge nochmals zu Gemüte führen (bis in die Nacht hinein):
